Marokko

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Marokko
Ma|roŐ£k|ko; -s:
Staat in Nordwestafrika.

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MaroŐ£kko,
 
 
 
Fläche: 458 730 km2
 
Einwohner: (2000) 30,1 Mio.
 
Hauptstadt: Rabat
 
Amtssprache: Arabisch
 
Nationalfeiertage: 3. 3., 14. 8.
 
Währung: 1 Dirham (DH) = 100 Centime (C)
 
Zeitzone: 1200 Rabat = 1300 MEZ
 
franz√∂sisch Le Maroc [l…ôma'r…Ēk], amtlich arabisch Al-MaŐ£mlaka al-Maghribijja [¬ĽWestreich¬ę], deutsch K√∂nigreich Marokko, Staat in Nordwestafrika, grenzt im Westen an den Atlantischen Ozean, im Norden an das Mittelmeer, im Osten und S√ľdosten an Algerien, im S√ľden mit Westsahara an Mauretanien, 458 730 km2 (ohne die besetzte Westsahara mit 252 120 km2). Die St√§dte Ceuta und Melilla sowie einige kleinere Inseln an der Nordk√ľste sind spanische Hoheitsgebiet. Marokko hat (2000) 30,1 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Rabat. Amtssprache ist Arabisch; als Verkehrssprachen dienen Franz√∂sisch, im Norden auch Spanisch. W√§hrungseinheit: 1 Dirham (DH) = 100 Centime (C). Zeitzone: Westeurop√§ische Zeit (1200 Rabat = 1300 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Die durch Referendum gebilligte und am 7. 10. 1996 in Kraft getretene Verfassung bestimmt Marokko als konstitutionelle, demokratische und soziale Monarchie, deren Oberhaupt, der K√∂nig, mit weit reichenden exekutiven Befugnissen ausgestattet ist. Er ernennt den Premierminister und die Mitglieder der Regierung, die ihm und dem Parlament verantwortlich sind, ist Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte, bestimmt die Richtlinien der Au√üenpolitik, kann das Parlament aufl√∂sen und durch Dekrete regieren sowie den Ausnahmezustand verh√§ngen. Thronfolger ist, soweit der Monarch keinen anderen seiner S√∂hne benennt, der √§lteste Sohn. Tr√§ger der Legislative ist ein Zweikammerparlament, bestehend aus der Repr√§sentantenkammer (Unterhaus), deren 325 Abgeordnete f√ľr eine Legislaturperiode von f√ľnf Jahren vom Volk direkt gew√§hlt werden (Wahlrecht ab dem 20. Lebensjahr), und der R√§tekammer (Oberhaus) mit 270 Mitgliedern, die als Vertreter der Kommunen, Arbeitnehmerorganisationen und Arbeitgeberverb√§nde durch Wahlkollegien in indirekter Wahl bestimmt werden (Wahlperiode neun Jahre). Zust√§ndig f√ľr die Normenkontrolle ist der Verfassungs-Rat (neun Mitglieder, davon f√ľnf vom K√∂nig ernannt).
 
Parteien:
 
Der K√∂nig st√ľtzt sich v. a. auf f√ľnf Parteien: die Union Constitutionnelle (UC, deutsch Verfassungsbund; gegr√ľndet 1983), den Rassemblement National des Ind√©pendants (RNI, deutsch Nationale Sammlung der Unabh√§ngigen; 1978), den Parti National D√©mocrate (PND, deutsch Nationale Partei der Demokraten, 1981), den Mouvement Populaire (MP, deutsch Volksbewegung, 1959) und den Mouvement National Populaire (MNP, deutsch Nationale Volksbewegung). Einflussreichste Oppositionsparteien sind die Union Socialiste des Forces Populaires (USFP, deutsch Sozialistischer Bund der Volkskr√§fte; 1972 hervorgegangen aus der Union Nationale des Forces Populaires, UNFP, deutsch Nationale Union der Volkskr√§fte, 1959) und die Istiklal (1944).
 
 
Zu den größten Gewerkschaftsorganisationen gehören die Confédération Démocratique du Travail (CDT; rd. 300 000 Mitglieder), die Union Marocaine du Travail (UMT; rd. 700 000 Mitglieder) und die Union Général des Travailleurs Marocains (UGTM; rd. 500 000 Mitglieder).
 
 
Das Wappen (von 1957) zeigt im Schild den gr√ľnen Stern des Salomonsiegels vor einem unten roten und oben durch die √ľber dem Atlasgebirge aufgehende Sonne ausgef√ľllten Grund. √úber dem von zwei Berberl√∂wen gehaltenen Schild schwebt die marokkanische K√∂nigskrone. Das Spruchband tr√§gt als Devise in arabischer Schrift den leicht gek√ľrzten Vers 7 der 47. Sure des Korans ¬ĽIn tansurun Allah yansurukum¬ę (¬ĽWenn ihr Allah beisteht, wird Er euch beistehen¬ę).
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertage sind der 3. 3. (Tag der Thronbesteigung K√∂nig Hasans II. 1961) und der 14. 8., der an die ¬ĽWiedervereinigung des Vaterlandes¬ę (die Annexion des S√ľdteils des Gebietes Westsahara 1979) erinnert.
 
 
Marokko ist in 16 Wirtschaftsregionen gegliedert, diese sind in 43 Provinzen und 22 städtische Präfekturen, darunter vier in der Westsahara, untergliedert. An der Spitze der Provinzen steht jeweils ein Gouverneur.
 
 
Die Rechtsprechung folgt franz√∂sischem Vorbild. F√ľr Muslime (in modifizierter Form auch f√ľr Christen) gilt im Familien- und Erbrecht islamisches Recht, f√ľr Juden das talmudische Recht. An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof (¬ĽAl-Madjlis al-Aala¬ę) in Rabat. Auf den unteren Stufen sind Appellationsgerichte sowie Gerichtsh√∂fe erster Instanz und regionale Gerichte neben Arbeitsgerichten eingerichtet; ferner existieren Spezialgerichte f√ľr Korruptionsf√§lle in der √∂ffentlichen Verwaltung und Milit√§rtribunale.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 18 Monate), die jedoch fast ausschlie√ülich aus l√§nger dienenden Freiwilligen besteht, betr√§gt 145 000 Mann. Die paramilit√§rischen Kr√§fte (Gendarmerie Royale und Force Auxiliaire) umfassen 35 000 Mann. Das Heer (125 000 Soldaten) wird von drei regionalen Hauptquartieren gef√ľhrt und ist in eine mechanisierte Brigade mit f√ľnf Infanterieregimentern, zwei motorisierte Infanteriebrigaden mit 14 Regimentern, eine leichte Infanteriebrigade f√ľr Sicherungsaufgaben, zwei Fallschirmj√§gerbrigaden, neun selbstst√§ndige Panzerbataillone, 35 selbstst√§ndige Infanteriebataillone, zwei Bataillone k√∂nigliche Garde und f√ľnf Bataillone Kamelreiter gegliedert. Die Luftwaffe hat 13 000, die Marine 7 000 Mann. Die Ausr√ľstung besteht im Wesentlichen aus 270 Kampfpanzern (180 M-48 und 90 M-60), 100 Jagdpanzern ¬ĽK√ľrassier¬ę, 90 Kampfflugzeugen (darunter 28 Mirage F-1, 24 Alpha Jet, 13 F-5), drei Fregatten und rd. 20 Kleinen Kampfschiffen. - Das K√∂nigreich Marokko verwendet etwa 15 % der Staatsausgaben f√ľr die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Marokko reicht von der Stra√üe von Gibraltar im Norden bis s√ľdlich des Wadi Draa. Morphologisches R√ľckgrat ist der 700 km lange Hohe Atlas mit der h√∂chsten Erhebung des Landes (Toubkal, 4 165 m √ľber dem Meeresspiegel); im S√ľdwesten ist ihm der Antiatlas vorgelagert (mit 1 100-2 000 m √ľber dem Meeresspiegel gelegenen Hochplateaus und K√§mmen). Nach Nordosten zweigt vom Hohen Atlas der Mittlere Atlas (3 340 m √ľber dem Meeresspiegel) ab; zur Mittelmeerk√ľste ist das Rif (bis 2 456 m √ľber dem Meeresspiegel) mit seinen mediterran-humiden K√ľstenketten vorgelagert. Dieser halbmondf√∂rmige Gebirgsg√ľrtel (Klimascheide) umschlie√üt das nach Westen offene, etwa 200 km breite zentralmarokkanische Tafelland (¬ĽMeseta¬ę), das von 600-700 m √ľber dem Meeresspiegel in mehreren Stufen zu den K√ľstenebenen (Rharb u. a.) abf√§llt. Im S√ľden und S√ľdosten hat Marokko Anteil an der Sahara; dort leiten weite Hochfl√§chen und niedrige Tafell√§nder in die algerischen und mauretanischen W√ľsten √ľber. - Die Fl√ľsse, im Osten Moulouya, im Nordwesten und Westen Loukkos, Sebou, Bou Regreg und Oum er-Rbia, sind die wasserreichsten der Maghrebl√§nder; episodischer Abfluss haben Tensift und Sous im W. Die s√ľd√∂stlichen Atlasfl√ľsse (Draa, Ziz u. a.) enden meist am Rand der Sahara.
 
 
Marokko hat √ľberwiegend mediterranes Klima, vom gro√üen Gebirgsbogen unterteilt in atlantisch-mediterranes Gebiet im Westen (von 600 mm Jahresniederschlag im Nordteil auf 300 mm im S√ľdteil absinkend; 5-8 aride Sommermonate) und kontinental-mediterranes Gebiet im Nordosten (100-400 mm; 7-9 aride Monate); der Osten wird durch ein winterkaltes Steppengebiet (100-400 mm, 7-11 aride Monate), die ostmarokkanischen Hochplateaus, gepr√§gt; im S√ľdosten und S√ľden herrscht W√ľstenklima (unter 100 mm; 9-12 aride Monate). Die Gipfellagen von Atlas und Rif empfangen 1 200-2 000 mm Jahresniederschlag, im Hohen Atlas f√§llt im Winter regelm√§√üig Schnee, der 4-5 Monate liegen bleibt. An der Atlantikk√ľste wirkt der Kanarenstrom (h√§ufig K√ľstennebel) ausgleichend auf den Temperaturgang. Das Jahresmittel betr√§gt bei Casablanca 17 ¬ļC, im (kontinentalen) Figuig 21 ¬ļC.
 
 
Im beregneten Gebiet herrschen - au√üerhalb des Kulturlands - mediterrane Strauchvegetation, bei √ľber 600 mm Jahresniederschlag W√§lder (mit Steineiche, Kermeseiche, Korkeiche, Zeder, Wacholder, Aleppokiefer), oberhalb der Waldgrenze (bei 3 150 m √ľber dem Meeresspiegel) Dornpolsterpflanzen vor. Im s√ľdlichen K√ľstenbereich gibt es gro√üe Best√§nde von Argania spinosa (Marokkanischer Eisenholzbaum), Berberthuja und Jujube. Jenseits des Gebirgssystems ist der Pflanzenwuchs nur sp√§rlich (lichte Wacholdergeh√∂lze; lockere Trockensteppengesellschaften); im Osten sind weite Fl√§chen mit Alfagras bestanden.
 
 
Etwa 36 % der Bewohner sind Berber, die ihre Sprache und Sitte sowie ihre traditionelle Stammesgliederung weitgehend bewahrt haben; sie leben besonders im Hohen und Mittleren Atlas und seinem Vorland, im Gebiet des Sous sowie im zentralen und √∂stlichen Rif; die randlichen Gebirgsbereiche werden von arabisierten Berbern (40 %) bewohnt. Araber (20 %) leben besonders in den St√§dten, in den Ebenen des Vorlands √∂stlich und s√ľdlich des Atlasgebirges sowie im K√ľstengebiet. Negride Nachkommen von Sklaven oder Soldaten aus der Sudanzone leben im S. In den St√§dten ist die Bev√∂lkerung stark gemischt; der ehemalig hohe Anteil von Juden (1952: 218 000) ging seit 1956 auf nur noch 16 000 zur√ľck. Von den Europ√§ern (besonders Franzosen, Spanier, Italiener; 1955: 540 000) haben seit 1956 die meisten das Land verlassen; 1999 lebten in Marokko etwa 100 000 Ausl√§nder v. a. aus Frankreich und den arabischen Staaten. Viele Marokkaner sind als Gastarbeiter im Ausland (1990: 1,5 Mio.; davon 80 000 in Deutschland).
 
Die Bev√∂lkerungsdichte ist am h√∂chsten in den atlantischen K√ľstengebieten und niederschlagsreichen Hochebenen (1995: in den st√§dtischen Pr√§fekturen Casablanca 1 831, Rabat-Sal√© 1 202, Tanger 535, F√®s 219, Mekn√®s 199, in den Provinzen K√©nitra 209, El-Jadida 163, T√©touan 163, Sidi Kacem 160 Einwohner je km2), am geringsten √∂stlich und s√ľdlich des Atlasgebirges (Figuig 2, Tan-Tan 3 Einwohner je km2). Die Bev√∂lkerungszunahme betr√§gt j√§hrlich (1990-99) 1,8 %. 55 % der Bev√∂lkerung leben in St√§dten; die Landflucht ist weiterhin stark. Die St√§dte bestehen meist aus der ummauerten historischen Stadt (Medina), zum Teil mit Judenviertel (Mellah), und oft mit anschlie√üendem Burgbereich (Kasba). Hieran angelehnt oder auch getrennt haben sich in der Kolonialzeit planm√§√üig die Europ√§erviertel (¬ĽVille nouvelle¬ę) entwickelt, um die kunsthistorisch wertvolle Bausubstanz zu erhalten. Infolge des starken Zuzugs der Landbev√∂lkerung waren am Rand der gro√üen St√§dte Elendsviertel (Bidonvilles) entstanden, die seit den 80er-Jahren aufgrund staatlicher Initiativen zur√ľckgegangen sind. Die Landbev√∂lkerung setzt sich zusammen aus sesshaften Ackerbauern (in den fruchtbaren, regenreicheren Landesteilen) sowie aus Halb- und nur noch wenigen Vollnomaden (im √∂stlichen Atlasvorland mit den Hochsteppen und in der W√ľste).
 
 
Der sunnitische Islam (√ľberwiegend durch die malikitische Rechtsschule vertreten) ist Staatsreligion. Ihm geh√∂ren √ľber 99 % der Bev√∂lkerung an. Seine traditionelle Stellung in der marokkanischen Gesellschaft wird durch den K√∂nig garantiert, der dem Rat der Religionsgelehrten (Ulemas) vorsteht. In den Volksislam sind besonders Elemente der vorislamisch-berberischen Tradition eingeflossen; eine wichtige Rolle spielt auch die Verehrung lokaler und regionaler Heiliger (Marabut). Die Religionsaus√ľbung der nichtislamischen Bekenntnisse ist gew√§hrleistet. Die etwa 30 000 Christen (Katholiken, Anglikaner, Protestanten, Orthodoxe) sind nahezu ausschlie√ülich Ausl√§nder. F√ľr die rd. 25 000 Katholiken bestehen die exemten Erzbist√ľmer Rabat und Tanger. Die anglikanischen Gemeinden in Casablanca und Tanger geh√∂ren der Di√∂zese Gibraltar an. Die reformierte evangelische Kirche (¬Ľ√Čglise Evang√©lique au Maroc¬ę) hat rd. 1 000 Mitglieder. Die j√ľdische Gemeinde ist heute mit rd. 6 000-7 000 Mitgliedern die gr√∂√üte in der arabischen Welt. Sitz des Gro√ürabbi ist Casablanca, wo bis 1967 rd. 80 000 Juden lebten.
 
 
1963 wurde die allgemeine Schulpflicht f√ľr alle Sieben- bis Dreizehnj√§hrigen eingef√ľhrt; die Einschulungsrate dieser Altersgruppe betr√§gt etwa 60 %; Unterrichtssprache ist Arabisch. Auf die f√ľnfj√§hrige Primarschule baut die zum Teil beruflich orientierte vierj√§hrige Sekundarschule auf, gefolgt von einer dreij√§hrigen Oberstufe mit technischen, kommerziellen und - bevorzugt gew√§hlten - allgemein bildenden Zweigen, auch ist der Eintritt in eine lehrerbildende Anstalt m√∂glich. Sekundarschulen gibt es nur in den gr√∂√üeren St√§dten. Marokko hat zw√∂lf Universit√§ten, die bedeutendste ist die Universit√© Mohammed V in Rabat (gegr√ľndet 1957). Daneben bestehen 25 fachlich spezialisierte Hochschulen sowie ein spanisches Institut (in Tanger). Die Analphabetenquote betr√§gt 54,1 %. In Anbetracht der wachsenden Sch√ľlerzahlen verbessern sich Quantit√§t und Qualit√§t im Bildungswesen trotz hoher Aufwendungen nur langsam.
 
 
Ver√∂ffentlichungen bed√ľrfen einer Genehmigung durch das Ministerium f√ľr Inneres und Information (Lizenzsystem). In Rabat erscheinen als Organe der Istiklal-Partei ¬ĽAl-Alam¬ę (Die Fahne, Auflage 100 000) in Arabisch, ¬ĽL'Opinion¬ę (Auflage 60 000) in Franz√∂sisch, in Casablanca ¬ĽLe Matin du Sahara et du Maghreb¬ę (Auflage 100 000) in Franz√∂sisch, mit dem Abendblatt ¬ĽMaroc Soir¬ę (Auflage 50 000); in beiden St√§dten ferner kleinere parteigebundene Bl√§tter. - Die staatliche Nachrichtenagentur ¬ĽWikalat al-Maghreb al-Arabi - Maghreb Arabe Presse¬ę (WMA - MAP), Sitz Rabat (gegr√ľndet 1959), verbreitet Dienste in arabischer, franz√∂sischer, englischer und spanischer Sprache. - Rundfunk: Die staatliche Rundfunkgesellschaft ¬ĽRadiodiffusion T√©l√©vision Marocaine¬ę (RTM, gegr√ľndet 1928 als ¬ĽRadio Maroc¬ę) verbreitet drei landesweite H√∂rfunkprogramme: Network A (arabisch), B (franz√∂sisch, englisch, spanisch), C (Berbersprachen und arabisch) sowie einen Auslandsdienst in Arabisch, Franz√∂sisch, Englisch. Das staatliche marokkanisch-franz√∂sische Gemeinschaftsunternehmen ¬ĽRadio M√©diterran√©e Internationale/M√©di 1¬ę, Sitz Tanger (gegr√ľndet 1980), sendet seit 1982 arabische und franz√∂sische H√∂rfunkprogramme mit Werbung f√ľr Marokko und Nachbarl√§nder. Die privaten Rundfunkgesellschaften in der spanischen Enklave ¬ĽRadio Ceuta¬ę, ¬ĽRadio Melilla¬ę und ¬ĽAntena 3¬ę geh√∂ren der spanischen Rundfunkgesellschaft ¬ĽSociedad Espa√Īola de Radiodiffusi√≥n¬ę (SER) und ¬ĽAntena 3 de Radio S. A.¬ę und √ľbernehmen deren Programme. RTM verbreitet seit 1962 ein arabisch-frz√∂sisches Fernsehprogramm. Seit 1989 strahlt der private Fernsehsender ¬Ľ2 M International¬ę franz√∂sische und arabische Programme aus.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die Grundlagen der marokkanischen Wirtschaft sind Landwirtschaft und Tourismus; großen Anteil haben auch Überweisungen im Ausland tätiger Marokkaner. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 1 150 US-$ ist Marokko nach Mauretanien das ärmste der Maghrebländer. Seit 1983 werden die staatlich beherrschten Wirtschaftszweige zum Teil reprivatisiert. Eine stärkere Entwicklung des ländlichen Raumes wird angestrebt, um die Landflucht einzudämmen.
 
 
Im Agrarsektor arbeiten (1991) rd. 40 % der Erwerbsbev√∂lkerung; sie erwirtschaften 21 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 28 % der Exporterl√∂se. Nur rd. 20 % der Fl√§che Marokkos (ohne Westsahara) sind Ackerland und Dauerkulturen (8,5 Mio. ha); 20,9 Mio. ha werden als Weideland ausgewiesen. Auf 830 000 ha wird moderne Bew√§sserungswirtschaft betrieben; das Ziel ist, bis zum Jahr 2000 rd. 1 Mio. ha Bew√§sserungsfl√§che zu erschlie√üen. F√ľr den Binnenmarkt werden v. a. Weizen und Gerste (Erntemengen 1994: 5,5 beziehungsweise 3,7 Mio. t) sowie Oliven (500 000 t) angebaut und Obstbau betrieben (541 000 t). Exportprodukte sind Zitrusfr√ľchte (Ernteertrag 1,3 Mio. t; Export 0,6 Mio. t) sowie Fr√ľhgem√ľse, v. a. Tomaten (648 000 t). Obwohl die landwirtschaftliche Produktion in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert wurde, ist Marokko besonders bei Getreide, Zucker, Fleisch und Milchprodukten nach wie vor auf Importe angewiesen (bis 1962 war Marokko Getreideexporteur).
 
 
Mit Wald sind (1994) 3,7 Mio. ha bestanden; weitere 5,3 Mio. ha mit Steppenvegetation werden zur Forstwirtschaft dazugerechnet (v. a. Fl√§chen mit Alfagras). Alfagras hat f√ľr die Papierfabrikation Bedeutung. F√ľr Kork ist Marokko der drittwichtigste Lieferant am Weltmarkt.
 
 
Die Fischerei konzentriert sich sehr stark auf die Atlantikk√ľste, wo k√ľhle Auftriebswasser des Kanarenstroms mit seinem Planktonreichtum g√ľnstige Voraussetzungen bieten. Anfang 1981 dehnte Marokko seine Hoheitsgew√§sser auf 200 Seemeilen vor der K√ľste aus (bis in den Bereich der Kanarischen Inseln). √úber die H√§lfte der Fangmenge von (1994) 749 000 t sind Sardinen (448 000 t). Marokko ist weltweit zweitgr√∂√üter Exporteur von Sardinenkonserven.
 
 
Der Phosphatabbau hat nach wie vor eine gro√üe, wenn auch abnehmende Bedeutung. Mit einer F√∂rdermenge von (1994) 18,4 Mio. t liegt Marokko hinter den USA und Russland weltweit an 3. Stelle. √úber zwei Drittel der bekannten Weltreserven liegen in Marokko. Die H√§lfte des Rohphosphats wird im Land selbst weiterverarbeitet. Die wichtigsten Abbauorte sind Khouribga und Youssoufia. Manganerz wird bei Imini gef√∂rdert, Kobalterz bei Ouarzazate, silberhaltiges Blei-Zink-Erz v. a. am Nordabhang des √∂stlichen Hohen Atlas, Eisenerz bei Nador, Flussspat in El-Hammam bei Mekn√®s, Steinkohle in Jerada, Erd√∂l in der K√ľstenebene Rharb, Erdgas und Erd√∂l bei Essaouira. Die Erschlie√üung der Erd√∂lschiefervorkommen im Mittleren Atlas und an der s√ľdlichen Atlantikk√ľste ist geplant.
 
 
Grundlage der Energiegewinnung sind zu 80 % Erd√∂l und Erdgas, das √ľberwiegend importiert werden muss, da Marokko keine nennenswerten Vorkommen besitzt; 17 % werden aus einheimischer Steinkohle gewonnen, nur 3 % aus Wasserkraft mittels mehrerer Wasserkraftwerke an Staud√§mmen. Die Anwendung der Solarenergie findet sich in Kleinanlagen v. a. in D√∂rfern des Hohen Atlas und s√ľdlich davon.
 
 
Im produzierenden Gewerbe (einschlie√ülich Bergbau) werden (1994) 30 % des BIP erwirtschaftet. Regionaler Schwerpunkt ist das K√ľstengebiet zwischen Casablanca und Rabat. Neben der chemischen Industrie sind die Textil-, Leder- und Nahrungsmittelindustrie Branchen mit hohen Zuwachsraten, w√§hrend das traditionelle Handwerk, z. B. die Teppichherstellung, r√ľckl√§ufig ist. Klein- und Mittelbetriebe sind vorherrschend; Gro√übetriebe sind die Chemiekomplexe von Safi und Jorf Lasfar (v. a. Phosphatverarbeitung), die Erd√∂lraffinerien von Mohammedia und Sidi Kacem, die Zellstofffabrik von Sidi-Yahya-du-Rharb.
 
 
Marokko ist das beliebteste Reiseland Nordafrikas. Reiseziele sind u. a. antike Ruinenst√§tten aus ph√∂nikischer, punischer und r√∂mischer Zeit, die vier K√∂nigsst√§dte Rabat, F√®s, Marrakesch und Mekn√®s mit ihren architektonischen Sehensw√ľrdigkeiten und dem orientalischen Flair, ausgedehnte Sandstr√§nde, die D√ľnen der Sahara mit den Oasen im S√ľden und schneebedeckte Gebirge. Wintersportorte und Sommerfrischen der Marokkaner sind Ifrane im Mittleren und Ouka√Įmedene im Hohen Atlas. Die Mehrzahl der (1994) 2,3 Mio. ausl√§ndische Besucher kommt aus Frankreich, Deutschland und Spanien.
 
 
Die Handelsbilanz ist seit 1970 durchweg negativ (Einfuhrwert 1994: 7,8 Mrd. US-$, Ausfuhrwert: 4,3 Mrd. US-$). Ausgef√ľhrt werden v. a. Phosphors√§ure und Rohphosphat, D√ľngemittel, Fischprodukte (Frischfisch und Konserven), Textilien und Zitrusfr√ľchte. Wichtigste Handelspartner sind Frankreich (23 %), Spanien, die USA und Deutschland Zum Ausgleich der Zahlungsbilanz tragen die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus (1994: 1,3 Mrd. US-$) sowie die √úberweisungen marokkanischer Arbeitsmigranten (1994: 2,3 Mrd. US-$) bei. Die Auslandsverschuldung belief sich 1992 auf 21,5 Mrd. US-$. Seit den 70er-Jahren belastet auch der Westsahara-Konflikt die marokkanische Wirtschaft. F√ľr den Schuldendienst m√ľssen (1994) 33 % der Exporterl√∂se aufgewendet werden.
 
Verkehr:
 
Das Verkehrsnetz ist v. a. im Norden und Nordwesten gut entwickelt. Wichtigster Verkehrstr√§ger f√ľr den G√ľtertransport ist nach dem Lkw-Verkehr die Eisenbahn (Streckenl√§nge 1991: 1 893 km). Die Eisenbahnlinie von Marrakesch √ľber Casablanca nach Tanger (mit Freihafenzone) hat Anschluss nach Safi (Phosphatexporthafen) und nach F√®s-Oujda (Bahnverbindung nach Algier und Tunis, zurzeit nicht in Funktion). Die H√§lfte des (1994) 60 450 km langen Stra√üennetzes ist befestigt. Die Hauptstadt Rabat und Casablanca sind durch eine Autobahn verbunden, die bis Larache fertig gestellt ist und weiter nach Tanger f√ľhrt (im Bau). S√ľdlich des Hohen Atlas gibt es mehrere befestigte Hauptverbindungsstra√üen, aber auch zahlreiche Pisten. Der Schiffsverkehr spielt eine wichtige Rolle. Die gr√∂√üten Seeh√§fen (Casablanca, Tanger, Agadir, Safi, Jorf Lasfar, Mohammedia) liegen am Atlantik. Casablanca ist mit einem Umschlag von (1994) 39,6 Mio. t zweitgr√∂√üter Handelshafen Afrikas (ohne Erd√∂lh√§fen). Wichtigster Mittelmeerhafen ist Nador unmittelbar s√ľdlich der spanischen Enklave Melilla. Mit Abstand wichtigster der neun internationalen Flugh√§fen ist Casablanca, w√§hrend Agadir, Marrakesch und Tanger v. a. f√ľr den Tourismus von Bedeutung sind. Die nationale Luftverkehrsgesellschaft hei√üt Royal Air Maroc.
 
 Geschichte:
 
In dem von selbstst√§ndigen Berberst√§mmen bewohnten Land haben ph√∂nikische, sp√§ter karthagische Einfl√ľsse nur an wenigen K√ľstenpl√§tzen Bedeutung gehabt (um 1100-146 v. Chr.). 42 n. Chr. wurde es mit Teilen des sp√§teren Algerien zur r√∂mischen Provinz Mauretania Tingitana (Mauretania) zusammengefasst. Im 5. Jahrhundert kam es unter wandalische, im 6. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft. Um 700 drangen erstmals muslimische Araber in das Land ein, die von hier aus Z√ľge nach S√ľdwesteuropa unternahmen. Idris I., ein Nachkomme Mohammeds, gr√ľndete 789 im westlichen Nordafrika die Dynastie der Idrisiden (Hauptstadt F√®s), die 974 den spanischen Omaijaden erlag. Unter den aus religi√∂sen Bewegungen der Berber hervorgegangenen Dynastien der Almoraviden (1061-1147), die als neue Hauptstadt Marrakesch gr√ľndeten, und der Almohaden (1147-1269) wurde Marokko Kernland eines selbstst√§ndigen nordwestafrikanischen, auch den S√ľden der Iberischen Halbinsel umfassenden Reichs auf der Grundlage sunnitischer Orthodoxie. Den Almohaden folgten die berberischen Meriniden (1269-1420/65), die wieder F√®s als Hauptstadt bevorzugten, den Wattasiden (1472-1554) die scherif. Dynastien der Sadier (1554-1603, in Seitenlinien bis 1626 und 1659), die durch die Sahara bis Timbuktu, Gao und Bornu vorstie√üen, und der Hasaniden (Alawiden, seit 1666). Mulai Ismail (1672-1727) schuf nach dem Vorbild der T√ľrkei eine zentralistische Regierung (¬ĽMachsen¬ę; Residenz Mekn√®s). Seitdem unterschied das marokkanische Recht zwischen dem ¬ĽBled el-Machsen¬ę, den unterworfenen, steuerlich erfassten Gebieten, und dem ¬ĽBled es-Siba¬ę, dem gr√∂√üeren Teil des Landes mit den Berberst√§mmen, die nur lose F√ľhlungnahme zur Regierung des Sultans hatten oder diese faktisch nicht anerkannten.
 
Seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts versuchten die Portugiesen, in Marokko einzudringen (1415 Einnahme Ceutas), doch gingen ihre Besitzungen nach 1578 wieder verloren. Den Spaniern gelang es, 1496 zuerst in Melilla Fu√ü zu fassen. Die franz√∂sische Aktivit√§t in Marokko hatte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Abschluss eines Handelsvertrages im Jahr 1892 beschr√§nkt; √§hnliche Vertr√§ge hatten zuvor Gro√übritannien (1856), Spanien (1861) und das Deutsche Reich (1890) abgeschlossen. Erst als im britischen-frz√∂sischen Abkommen vom 8. 4. 1904 Frankreich von Gro√übritannien die Vormachtstellung in Marokko unter Verletzung der internationalen Abmachungen von Madrid (1880) einger√§umt wurde, begann Frankreich in das Land vorzudringen. Im November 1904 grenzten Frankreich und Spanien ihre Interessensph√§ren ab. Der Einspruch des v. a. wirtschaftlich vertretenen Deutschen Reiches gegen das Vordringen des franz√∂sischen Einflusses f√ľhrte zur 1. Marokkokrise (1905; Marokkokrisen). Die 2. Marokkokrise (1911), ausgel√∂st durch die Entsendung des deutschen Kanonenboots ¬ĽPanther¬ę nach Agadir, f√ľhrte letztlich zur Anerkennung der franz√∂sischen Schutzherrschaft √ľber Marokko durch das Deutsche Reich. In einem spanisch-franz√∂sischen Vertrag (M√§rz/November 1912) wurden die Grenzen zwischen dem franz√∂sischen (Hauptstadt Rabat) und dem spanischen (Hauptstadt T√©touan) Protektoratsgebiet abgesteckt; Tanger wurde internationales Gebiet. Unter Marschall L. H. G. Lyautey (Generalresident 1912-16 und 1917-25) und seinen Nachfolgern wurde das Landesinnere erschlossen.
 
1920 erhoben sich die Berberst√§mme des Rifgebirges (¬ĽRifkabylen¬ę) unter Abd el-Krim gegen die franz√∂sische und spanische Kolonialherrschaft (Ausrufung einer ¬ĽRepublik der vereinigten St√§mme des Rif¬ę), unterlagen jedoch den von Marschall P. P√©tain befehligten franz√∂sischen und den von General M. Primo de Rivera gef√ľhrten spanischen Streitkr√§ften. Am 26. 5. 1926 kapitulierte Abd el-Krim vor den franz√∂sischen Truppen. Die K√§mpfe im Hohen Atlas dauerten bis 1933/34.
 
Vor dem Hintergrund einer starken Einwanderung europ√§ischen Siedler (bis 1939 etwa 100 000) formierte sich unter den jungen Intellektuellen Marokkos eine moderne Nationalbewegung, die sich 1934 mit dem ¬ĽComit√© d'Action Marocaine¬ę (¬ĽMarokkanisches Aktionskomitee¬ę) erstmals organisierte. Frankreich suchte seine Herrschaft zun√§chst auf die traditionelle Feudalaristokratie des Landes zu st√ľtzen, scheiterte damit jedoch letztlich, da sich Sultan Mohammed V. (seit 1927) den Zielen der Nationalbewegung zuwandte. 1937 verbannten die franz√∂sischen Kolonialbeh√∂rden Mohammed Allal al-Fassi (* 1919, ‚úĚ 1974), den f√ľhrenden Repr√§sentanten der antikolonialen Bewegung in Marokko, nach Gabun, 1938 wurden in der franz√∂sischen Zone die aus dem Aktionskomitee hervorgegangenen Parteien verboten.
 
Die Niederlage Frankreichs (Juni 1940) im Zweiten Weltkrieg schw√§chte die franz√∂sische Position in Nordafrika; Spanien nahm diese Entwicklung zum Anlass, 1940 die internationale Zone von Tanger zu besetzen (bis 1945). Nach der Landung amerikanisch-britischer Truppen in Marokko (November 1942) suchte Mohammed V. Anlehnung bei den USA (Treffen mit dem amerikanischen Pr√§sidenten F. D. Roosevelt, 1943). Im Zuge dieser Entwicklung erhielt die marokkanische Nationalbewegung starken Auftrieb. Der aus der Verbannung zur√ľckgekehrte Allal al-Fassi gr√ľndete 1944 die ¬ĽIstiklal-Partei¬ę, die zum Motor des marokkanischen Widerstandes gegen die franz√∂sische Kolonialherrschaft wurde. 1947 forderte Sultan Mohammed V. die Unabh√§ngigkeit seines Landes. Frankreich suchte zun√§chst diese Bem√ľhungen zu unterdr√ľcken und deportierte 1953 den Sultan nach Madagaskar. Unterdessen sammelte sich im Gebirge eine ¬ĽBefreiungsarmee¬ę. Angesichts des im November 1954 in Algerien gegen die franz√∂sische Herrschaft ausgebrochenen Aufstandes lie√ü Frankreich im Oktober 1955 Mohammed V. nach Marokko zur√ľckkehren und entlie√ü Franz√∂sisch-Marokko am 2. 3. 1956 in die Unabh√§ngigkeit. Nachdem auch Spanien auf sein Herrschaftsgebiet in Marokko verzichtet hatte (2. 4. 1956, wurde dieses mit dem fr√ľheren franz√∂sischen Teil vereinigt. Im Oktober 1956 wurde auch Tanger wieder in das marokkanische Staatsgebiet eingegliedert; die K√ľstenst√§dte Ceuta und Melilla blieben spanisch. Am 14. 8. 1957 wurde das K√∂nigreich Marokko proklamiert. Die spanische Enklave Ifni fiel erst am 1. 1. 1969 an Marokko zur√ľck.
 
Nach dem Tod Mohammeds V., der 1957 den K√∂nigstitel angenommen hatte, bestieg 1961 sein Sohn Hasan II. den Thron. Seit der staatlichen Unabh√§ngigkeit wuchsen im Innern die Spannungen zwischen den konservativen Kr√§ften am K√∂nigshof, in der Gebirgsbev√∂lkerung und im wohlhabenden B√ľrgertum auf der einen Seite sowie der b√ľrgerlichen Linken und den Gewerkschaften (¬ĽUnion Marocaine du Travail¬ę, Abk√ľrzung UMT) auf der anderen Seite. Bereits 1958/59 hatte sich unter F√ľhrung von al-Mehdi Ben Barka die linksorientierte ¬ĽUnion Nationale des Forces Populaires¬ę (UNFP, deutsch ¬ĽNationale Union der Volkskr√§fte¬ę) von der Istiklal abgespalten. Die Istiklal selbst ging in den folgenden Jahren immer st√§rker auf kritische Distanz zu Hasan II. Gest√ľtzt auf ihm ergebene Kr√§fte (¬ĽFront pour la D√©fense des Institutions Constitutionnelles¬ę, FDIC, deutsch ¬ĽFront zur Verteidigung der Verfassungseinrichtungen¬ę) verfolgte dieser (in den 60er-Jahren selbst mehrfach Ministerpr√§sident) einen autorit√§ren Kurs. 1963 lie√ü er f√ľhrende Politiker der UNFP verhaften und verurteilen. Nach Unruhen (M√§rz 1965) rief die Regierung im Juni 1965 den Ausnahmezustand aus und √ľbernahm zugleich die gesetzgebende Gewalt; das 1963 gew√§hlte Parlament wurde aufgel√∂st. Die Verfassungsreform von 1972 st√§rkte die Macht des K√∂nigs. Durch eine Bodenreform und die Verstaatlichung ausl√§ndischen Eigentums (1973/74) sollten die sozialen Spannungen abgebaut werden. 1971 scheiterte ein Putschversuch, 1972 ein Attentat auf den K√∂nig.
 
In der Au√üenpolitik verfolgte Marokko (Mitglied der Arabischen Liga) seit dem Gewinn der Unabh√§ngigkeit im Grundsatz eine Politik der Blockfreiheit. Es unterst√ľtzte die Entkolonialisierung Afrikas und beteiligte sich 1963 an der Gr√ľndung der Organization of African Unity (OAU). Im Nahostkonflikt vertrat Marokko eine gem√§√üigte Linie gegen√ľber Israel. Die engen wirtschaftlichen Bindungen an Frankreich konnten Spannungen im Verh√§ltnis beider Staaten nicht verhindern, so im Oktober 1965 bei der Entf√ľhrung Ben Barkas aus seinem Pariser Exil. 1969 wurde Marokko assoziiertes Mitglied der EG.
 
Mitte der 70er-Jahre leitete Hasan II. eine expansionistische Au√üenpolitik ein. Nachdem unter starker propagandistischer F√∂rderung der Regierung Hunderttausende von Marokkanern mit einem ¬Ľgr√ľnen Marsch¬ę (6. 11. 1975 den marokkanischen Anspruch auf das von Spanien beherrschte Gebiet Westsahara bekundet hatten, verzichtete Spanien in einem Vertrag zugunsten von Marokko und Mauretanien (14. 11. 1975 auf dieses Gebiet; den Mauretanien zuerkannten Teil gewann Marokko 1979 zus√§tzlich. Mit dieser Politik geriet Marokko in Konflikt mit der Frente Polisario, die, gest√ľtzt v. a. von Algerien, im Gebiet von Westsahara die unabh√§ngige ¬ĽR√©publique Arabe Saharaouie D√©mocratique¬ę (¬ĽDemokratische Arabische Republik Sahara¬ę, DARS) ausrief. Es kam zu einem lang dauernden milit√§rischen Konflikt, der v. a. die marokkanischen Beziehungen zu Algerien und Libyen belastete. 1984 trat Marokko aus der OAU aus, da diese die DARS als eigenst√§ndiges Mitglied anerkannt hatte. Sosehr die Westsaharafrage die Au√üenpolitik Marokkos belastete, so stark gewann Hasan II. mit dieser Politik einen Anhang im Innern, besonders unter jenen Nationalisten, die den einst von Allal al-Fassi verfochtenen Ideen eines Gro√ü-Marokko (einschlie√ülich Mauretanien, Teilen von Algerien und Mali) anh√§ngen. Die milit√§rischen Auseinandersetzungen zwischen marokkanischen Truppen und der Frente Polisario konnten schlie√ülich am 6. 9. 1991 unter UN-Vermittlung durch einen Waffenstillstand beendet werden. Nach einem bereits seit April 1991 bestehenden UN-Friedensplan f√ľr die Westsahara einigten sich im September 1997 Marokko und Frente Polisario unter amerikanischer Vermittlung auf die Durchf√ľhrung eines von den Vereinten Nationen beaufsichtigten Referendums zur Unabh√§ngigkeit der Westsahara. Der Abstimmungstermin (urspr√ľnglich vorgesehen 7. 12. 1998) wurde jedoch wegen der umstrittenen W√§hlerregistrierung mehrmals verschoben.
 
Innenpolitische Gegens√§tze (u. a. blutige Niederwerfung des Generalstreiks 1981) versch√§rften sich besonders seit 1990 und f√ľhrten zu einer Verweigerungshaltung der oppositionellen Parteien. Die durch die Verfassungsrevision 1996 signalisierte Demokratiebereitschaft der Regierung bewog die Opposition zur Bildung eines Wahlb√ľndnisses und Teilnahme an den Kommunal- und Parlamentswahlen 1997, zu denen erstmals auch gem√§√üigt islamistische Parteien zugelassen waren. Das W√§hlerb√ľndnis ¬ĽKoutla¬ę setzte sich sowohl in den Kommunal- als auch in den Parlamentswahlen vor dem Regierungsb√ľndnis ¬ĽWifak¬ę durch. Ministerpr√§sident wurde im M√§rz 1998 Abderrahman Youssoufi (USFP). Die Bildung des Zweikammersystems ist seit der Konstituierung des Oberhauses im Dezember 1997 abgeschlossen. Nach dem Tod von Hasan II. (23. 7. 1999) wurde sein √§ltester Sohn als Mohammed VI. gekr√∂nt, der die seit Mitte der 90er-Jahre eingeleiteten wirtschaftlichen und demokratischen Reformen sowie den Wechsel zu einer modernen Monarchie intensivieren will.
 
1987 trat Marokko dem GATT bei und beteiligte sich 1988 an der Gr√ľndung der Maghreb-Union. Angesichts des 1993 einsetzenden Verst√§ndigungsprozesses im Nahostkonflikt richtete Marokko 1994 ein Verbindungsb√ľro zu Israel ein. Mit den anderen Staaten des Maghreb beschloss es im selben Jahr die Einrichtung einer Freihandelszone in diesem Raum. Im Februar 1996 schloss Marokko ein Assoziierungsabkommen mit der Europ√§ischen Union.
 
 
J. Carcopino: Le Maroc antique (Paris 131948);
 H. Terrasse: L'histoire du Maroc des origines à l'établissement du protectorat français, 2 Bde. (Casablanca 1949-50, Nachdr. New York 1975);
 
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 A. Laroui: Les origines sociales et culturelles du nationalisme marocain, 1830-1912 (Paris 1977);
 A. Paccard: Le Maroc et l'artisanat traditionnel islamique dans l'architecture, 2 Bde. (Paris 41983);
 H. Popp: Moderne Bewässerungslandwirtschaft in M., 2 Bde. (1983);
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Reisen in den Mittelmeerraum. Eine Vortragsreihe im Wintersemester 1990/91, hg. v. H. H. Wetzel (1991);
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¬†M. A√Įt Hamza: Auswirkungen der Arbeitsmigration auf die Oasen in S√ľd-M., in: Geograph. Rundschau, Jg. 49 (1997).
 

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Ma|roŐ£k|ko; -s: Staat in Nordwestafrika.

Universal-Lexikon. 2012.

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