3 Marokko


Marokko

Ma|rọk|ko; -s:
Staat in Nordwestafrika.

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Marọkko,
 
 
 
Fläche: 458 730 km2
 
Einwohner: (2000) 30,1 Mio.
 
Hauptstadt: Rabat
 
Amtssprache: Arabisch
 
Nationalfeiertage: 3. 3., 14. 8.
 
Währung: 1 Dirham (DH) = 100 Centime (C)
 
Zeitzone: 1200 Rabat = 1300 MEZ
 
französisch Le Maroc [ləma'rɔk], amtlich arabisch Al-Mạmlaka al-Maghribijja [»Westreich«], deutsch Königreich Marokko, Staat in Nordwestafrika, grenzt im Westen an den Atlantischen Ozean, im Norden an das Mittelmeer, im Osten und Südosten an Algerien, im Süden mit Westsahara an Mauretanien, 458 730 km2 (ohne die besetzte Westsahara mit 252 120 km2). Die Städte Ceuta und Melilla sowie einige kleinere Inseln an der Nordküste sind spanische Hoheitsgebiet. Marokko hat (2000) 30,1 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Rabat. Amtssprache ist Arabisch; als Verkehrssprachen dienen Französisch, im Norden auch Spanisch. Währungseinheit: 1 Dirham (DH) = 100 Centime (C). Zeitzone: Westeuropäische Zeit (1200 Rabat = 1300 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Die durch Referendum gebilligte und am 7. 10. 1996 in Kraft getretene Verfassung bestimmt Marokko als konstitutionelle, demokratische und soziale Monarchie, deren Oberhaupt, der König, mit weit reichenden exekutiven Befugnissen ausgestattet ist. Er ernennt den Premierminister und die Mitglieder der Regierung, die ihm und dem Parlament verantwortlich sind, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, bestimmt die Richtlinien der Außenpolitik, kann das Parlament auflösen und durch Dekrete regieren sowie den Ausnahmezustand verhängen. Thronfolger ist, soweit der Monarch keinen anderen seiner Söhne benennt, der älteste Sohn. Träger der Legislative ist ein Zweikammerparlament, bestehend aus der Repräsentantenkammer (Unterhaus), deren 325 Abgeordnete für eine Legislaturperiode von fünf Jahren vom Volk direkt gewählt werden (Wahlrecht ab dem 20. Lebensjahr), und der Rätekammer (Oberhaus) mit 270 Mitgliedern, die als Vertreter der Kommunen, Arbeitnehmerorganisationen und Arbeitgeberverbände durch Wahlkollegien in indirekter Wahl bestimmt werden (Wahlperiode neun Jahre). Zuständig für die Normenkontrolle ist der Verfassungs-Rat (neun Mitglieder, davon fünf vom König ernannt).
 
Parteien:
 
Der König stützt sich v. a. auf fünf Parteien: die Union Constitutionnelle (UC, deutsch Verfassungsbund; gegründet 1983), den Rassemblement National des Indépendants (RNI, deutsch Nationale Sammlung der Unabhängigen; 1978), den Parti National Démocrate (PND, deutsch Nationale Partei der Demokraten, 1981), den Mouvement Populaire (MP, deutsch Volksbewegung, 1959) und den Mouvement National Populaire (MNP, deutsch Nationale Volksbewegung). Einflussreichste Oppositionsparteien sind die Union Socialiste des Forces Populaires (USFP, deutsch Sozialistischer Bund der Volkskräfte; 1972 hervorgegangen aus der Union Nationale des Forces Populaires, UNFP, deutsch Nationale Union der Volkskräfte, 1959) und die Istiklal (1944).
 
 
Zu den größten Gewerkschaftsorganisationen gehören die Confédération Démocratique du Travail (CDT; rd. 300 000 Mitglieder), die Union Marocaine du Travail (UMT; rd. 700 000 Mitglieder) und die Union Général des Travailleurs Marocains (UGTM; rd. 500 000 Mitglieder).
 
 
Das Wappen (von 1957) zeigt im Schild den grünen Stern des Salomonsiegels vor einem unten roten und oben durch die über dem Atlasgebirge aufgehende Sonne ausgefüllten Grund. Über dem von zwei Berberlöwen gehaltenen Schild schwebt die marokkanische Königskrone. Das Spruchband trägt als Devise in arabischer Schrift den leicht gekürzten Vers 7 der 47. Sure des Korans »In tansurun Allah yansurukum« (»Wenn ihr Allah beisteht, wird Er euch beistehen«).
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertage sind der 3. 3. (Tag der Thronbesteigung König Hasans II. 1961) und der 14. 8., der an die »Wiedervereinigung des Vaterlandes« (die Annexion des Südteils des Gebietes Westsahara 1979) erinnert.
 
 
Marokko ist in 16 Wirtschaftsregionen gegliedert, diese sind in 43 Provinzen und 22 städtische Präfekturen, darunter vier in der Westsahara, untergliedert. An der Spitze der Provinzen steht jeweils ein Gouverneur.
 
 
Die Rechtsprechung folgt französischem Vorbild. Für Muslime (in modifizierter Form auch für Christen) gilt im Familien- und Erbrecht islamisches Recht, für Juden das talmudische Recht. An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof (»Al-Madjlis al-Aala«) in Rabat. Auf den unteren Stufen sind Appellationsgerichte sowie Gerichtshöfe erster Instanz und regionale Gerichte neben Arbeitsgerichten eingerichtet; ferner existieren Spezialgerichte für Korruptionsfälle in der öffentlichen Verwaltung und Militärtribunale.
 
 
Die Gesamtstärke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 18 Monate), die jedoch fast ausschließlich aus länger dienenden Freiwilligen besteht, beträgt 145 000 Mann. Die paramilitärischen Kräfte (Gendarmerie Royale und Force Auxiliaire) umfassen 35 000 Mann. Das Heer (125 000 Soldaten) wird von drei regionalen Hauptquartieren geführt und ist in eine mechanisierte Brigade mit fünf Infanterieregimentern, zwei motorisierte Infanteriebrigaden mit 14 Regimentern, eine leichte Infanteriebrigade für Sicherungsaufgaben, zwei Fallschirmjägerbrigaden, neun selbstständige Panzerbataillone, 35 selbstständige Infanteriebataillone, zwei Bataillone königliche Garde und fünf Bataillone Kamelreiter gegliedert. Die Luftwaffe hat 13 000, die Marine 7 000 Mann. Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus 270 Kampfpanzern (180 M-48 und 90 M-60), 100 Jagdpanzern »Kürassier«, 90 Kampfflugzeugen (darunter 28 Mirage F-1, 24 Alpha Jet, 13 F-5), drei Fregatten und rd. 20 Kleinen Kampfschiffen. - Das Königreich Marokko verwendet etwa 15 % der Staatsausgaben für die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Marokko reicht von der Straße von Gibraltar im Norden bis südlich des Wadi Draa. Morphologisches Rückgrat ist der 700 km lange Hohe Atlas mit der höchsten Erhebung des Landes (Toubkal, 4 165 m über dem Meeresspiegel); im Südwesten ist ihm der Antiatlas vorgelagert (mit 1 100-2 000 m über dem Meeresspiegel gelegenen Hochplateaus und Kämmen). Nach Nordosten zweigt vom Hohen Atlas der Mittlere Atlas (3 340 m über dem Meeresspiegel) ab; zur Mittelmeerküste ist das Rif (bis 2 456 m über dem Meeresspiegel) mit seinen mediterran-humiden Küstenketten vorgelagert. Dieser halbmondförmige Gebirgsgürtel (Klimascheide) umschließt das nach Westen offene, etwa 200 km breite zentralmarokkanische Tafelland (»Meseta«), das von 600-700 m über dem Meeresspiegel in mehreren Stufen zu den Küstenebenen (Rharb u. a.) abfällt. Im Süden und Südosten hat Marokko Anteil an der Sahara; dort leiten weite Hochflächen und niedrige Tafelländer in die algerischen und mauretanischen Wüsten über. - Die Flüsse, im Osten Moulouya, im Nordwesten und Westen Loukkos, Sebou, Bou Regreg und Oum er-Rbia, sind die wasserreichsten der Maghrebländer; episodischer Abfluss haben Tensift und Sous im W. Die südöstlichen Atlasflüsse (Draa, Ziz u. a.) enden meist am Rand der Sahara.
 
 
Marokko hat überwiegend mediterranes Klima, vom großen Gebirgsbogen unterteilt in atlantisch-mediterranes Gebiet im Westen (von 600 mm Jahresniederschlag im Nordteil auf 300 mm im Südteil absinkend; 5-8 aride Sommermonate) und kontinental-mediterranes Gebiet im Nordosten (100-400 mm; 7-9 aride Monate); der Osten wird durch ein winterkaltes Steppengebiet (100-400 mm, 7-11 aride Monate), die ostmarokkanischen Hochplateaus, geprägt; im Südosten und Süden herrscht Wüstenklima (unter 100 mm; 9-12 aride Monate). Die Gipfellagen von Atlas und Rif empfangen 1 200-2 000 mm Jahresniederschlag, im Hohen Atlas fällt im Winter regelmäßig Schnee, der 4-5 Monate liegen bleibt. An der Atlantikküste wirkt der Kanarenstrom (häufig Küstennebel) ausgleichend auf den Temperaturgang. Das Jahresmittel beträgt bei Casablanca 17 ºC, im (kontinentalen) Figuig 21 ºC.
 
 
Im beregneten Gebiet herrschen - außerhalb des Kulturlands - mediterrane Strauchvegetation, bei über 600 mm Jahresniederschlag Wälder (mit Steineiche, Kermeseiche, Korkeiche, Zeder, Wacholder, Aleppokiefer), oberhalb der Waldgrenze (bei 3 150 m über dem Meeresspiegel) Dornpolsterpflanzen vor. Im südlichen Küstenbereich gibt es große Bestände von Argania spinosa (Marokkanischer Eisenholzbaum), Berberthuja und Jujube. Jenseits des Gebirgssystems ist der Pflanzenwuchs nur spärlich (lichte Wacholdergehölze; lockere Trockensteppengesellschaften); im Osten sind weite Flächen mit Alfagras bestanden.
 
 
Etwa 36 % der Bewohner sind Berber, die ihre Sprache und Sitte sowie ihre traditionelle Stammesgliederung weitgehend bewahrt haben; sie leben besonders im Hohen und Mittleren Atlas und seinem Vorland, im Gebiet des Sous sowie im zentralen und östlichen Rif; die randlichen Gebirgsbereiche werden von arabisierten Berbern (40 %) bewohnt. Araber (20 %) leben besonders in den Städten, in den Ebenen des Vorlands östlich und südlich des Atlasgebirges sowie im Küstengebiet. Negride Nachkommen von Sklaven oder Soldaten aus der Sudanzone leben im S. In den Städten ist die Bevölkerung stark gemischt; der ehemalig hohe Anteil von Juden (1952: 218 000) ging seit 1956 auf nur noch 16 000 zurück. Von den Europäern (besonders Franzosen, Spanier, Italiener; 1955: 540 000) haben seit 1956 die meisten das Land verlassen; 1999 lebten in Marokko etwa 100 000 Ausländer v. a. aus Frankreich und den arabischen Staaten. Viele Marokkaner sind als Gastarbeiter im Ausland (1990: 1,5 Mio.; davon 80 000 in Deutschland).
 
Die Bevölkerungsdichte ist am höchsten in den atlantischen Küstengebieten und niederschlagsreichen Hochebenen (1995: in den städtischen Präfekturen Casablanca 1 831, Rabat-Salé 1 202, Tanger 535, Fès 219, Meknès 199, in den Provinzen Kénitra 209, El-Jadida 163, Tétouan 163, Sidi Kacem 160 Einwohner je km2), am geringsten östlich und südlich des Atlasgebirges (Figuig 2, Tan-Tan 3 Einwohner je km2). Die Bevölkerungszunahme beträgt jährlich (1990-99) 1,8 %. 55 % der Bevölkerung leben in Städten; die Landflucht ist weiterhin stark. Die Städte bestehen meist aus der ummauerten historischen Stadt (Medina), zum Teil mit Judenviertel (Mellah), und oft mit anschließendem Burgbereich (Kasba). Hieran angelehnt oder auch getrennt haben sich in der Kolonialzeit planmäßig die Europäerviertel (»Ville nouvelle«) entwickelt, um die kunsthistorisch wertvolle Bausubstanz zu erhalten. Infolge des starken Zuzugs der Landbevölkerung waren am Rand der großen Städte Elendsviertel (Bidonvilles) entstanden, die seit den 80er-Jahren aufgrund staatlicher Initiativen zurückgegangen sind. Die Landbevölkerung setzt sich zusammen aus sesshaften Ackerbauern (in den fruchtbaren, regenreicheren Landesteilen) sowie aus Halb- und nur noch wenigen Vollnomaden (im östlichen Atlasvorland mit den Hochsteppen und in der Wüste).
 
 
Der sunnitische Islam (überwiegend durch die malikitische Rechtsschule vertreten) ist Staatsreligion. Ihm gehören über 99 % der Bevölkerung an. Seine traditionelle Stellung in der marokkanischen Gesellschaft wird durch den König garantiert, der dem Rat der Religionsgelehrten (Ulemas) vorsteht. In den Volksislam sind besonders Elemente der vorislamisch-berberischen Tradition eingeflossen; eine wichtige Rolle spielt auch die Verehrung lokaler und regionaler Heiliger (Marabut). Die Religionsausübung der nichtislamischen Bekenntnisse ist gewährleistet. Die etwa 30 000 Christen (Katholiken, Anglikaner, Protestanten, Orthodoxe) sind nahezu ausschließlich Ausländer. Für die rd. 25 000 Katholiken bestehen die exemten Erzbistümer Rabat und Tanger. Die anglikanischen Gemeinden in Casablanca und Tanger gehören der Diözese Gibraltar an. Die reformierte evangelische Kirche (»Église Evangélique au Maroc«) hat rd. 1 000 Mitglieder. Die jüdische Gemeinde ist heute mit rd. 6 000-7 000 Mitgliedern die größte in der arabischen Welt. Sitz des Großrabbi ist Casablanca, wo bis 1967 rd. 80 000 Juden lebten.
 
 
1963 wurde die allgemeine Schulpflicht für alle Sieben- bis Dreizehnjährigen eingeführt; die Einschulungsrate dieser Altersgruppe beträgt etwa 60 %; Unterrichtssprache ist Arabisch. Auf die fünfjährige Primarschule baut die zum Teil beruflich orientierte vierjährige Sekundarschule auf, gefolgt von einer dreijährigen Oberstufe mit technischen, kommerziellen und - bevorzugt gewählten - allgemein bildenden Zweigen, auch ist der Eintritt in eine lehrerbildende Anstalt möglich. Sekundarschulen gibt es nur in den größeren Städten. Marokko hat zwölf Universitäten, die bedeutendste ist die Université Mohammed V in Rabat (gegründet 1957). Daneben bestehen 25 fachlich spezialisierte Hochschulen sowie ein spanisches Institut (in Tanger). Die Analphabetenquote beträgt 54,1 %. In Anbetracht der wachsenden Schülerzahlen verbessern sich Quantität und Qualität im Bildungswesen trotz hoher Aufwendungen nur langsam.
 
 
Veröffentlichungen bedürfen einer Genehmigung durch das Ministerium für Inneres und Information (Lizenzsystem). In Rabat erscheinen als Organe der Istiklal-Partei »Al-Alam« (Die Fahne, Auflage 100 000) in Arabisch, »L'Opinion« (Auflage 60 000) in Französisch, in Casablanca »Le Matin du Sahara et du Maghreb« (Auflage 100 000) in Französisch, mit dem Abendblatt »Maroc Soir« (Auflage 50 000); in beiden Städten ferner kleinere parteigebundene Blätter. - Die staatliche Nachrichtenagentur »Wikalat al-Maghreb al-Arabi - Maghreb Arabe Presse« (WMA - MAP), Sitz Rabat (gegründet 1959), verbreitet Dienste in arabischer, französischer, englischer und spanischer Sprache. - Rundfunk: Die staatliche Rundfunkgesellschaft »Radiodiffusion Télévision Marocaine« (RTM, gegründet 1928 als »Radio Maroc«) verbreitet drei landesweite Hörfunkprogramme: Network A (arabisch), B (französisch, englisch, spanisch), C (Berbersprachen und arabisch) sowie einen Auslandsdienst in Arabisch, Französisch, Englisch. Das staatliche marokkanisch-französische Gemeinschaftsunternehmen »Radio Méditerranée Internationale/Médi 1«, Sitz Tanger (gegründet 1980), sendet seit 1982 arabische und französische Hörfunkprogramme mit Werbung für Marokko und Nachbarländer. Die privaten Rundfunkgesellschaften in der spanischen Enklave »Radio Ceuta«, »Radio Melilla« und »Antena 3« gehören der spanischen Rundfunkgesellschaft »Sociedad Española de Radiodiffusión« (SER) und »Antena 3 de Radio S. A.« und übernehmen deren Programme. RTM verbreitet seit 1962 ein arabisch-frzösisches Fernsehprogramm. Seit 1989 strahlt der private Fernsehsender »2 M International« französische und arabische Programme aus.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Die Grundlagen der marokkanischen Wirtschaft sind Landwirtschaft und Tourismus; großen Anteil haben auch Überweisungen im Ausland tätiger Marokkaner. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 1 150 US-$ ist Marokko nach Mauretanien das ärmste der Maghrebländer. Seit 1983 werden die staatlich beherrschten Wirtschaftszweige zum Teil reprivatisiert. Eine stärkere Entwicklung des ländlichen Raumes wird angestrebt, um die Landflucht einzudämmen.
 
 
Im Agrarsektor arbeiten (1991) rd. 40 % der Erwerbsbevölkerung; sie erwirtschaften 21 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und 28 % der Exporterlöse. Nur rd. 20 % der Fläche Marokkos (ohne Westsahara) sind Ackerland und Dauerkulturen (8,5 Mio. ha); 20,9 Mio. ha werden als Weideland ausgewiesen. Auf 830 000 ha wird moderne Bewässerungswirtschaft betrieben; das Ziel ist, bis zum Jahr 2000 rd. 1 Mio. ha Bewässerungsfläche zu erschließen. Für den Binnenmarkt werden v. a. Weizen und Gerste (Erntemengen 1994: 5,5 beziehungsweise 3,7 Mio. t) sowie Oliven (500 000 t) angebaut und Obstbau betrieben (541 000 t). Exportprodukte sind Zitrusfrüchte (Ernteertrag 1,3 Mio. t; Export 0,6 Mio. t) sowie Frühgemüse, v. a. Tomaten (648 000 t). Obwohl die landwirtschaftliche Produktion in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert wurde, ist Marokko besonders bei Getreide, Zucker, Fleisch und Milchprodukten nach wie vor auf Importe angewiesen (bis 1962 war Marokko Getreideexporteur).
 
 
Mit Wald sind (1994) 3,7 Mio. ha bestanden; weitere 5,3 Mio. ha mit Steppenvegetation werden zur Forstwirtschaft dazugerechnet (v. a. Flächen mit Alfagras). Alfagras hat für die Papierfabrikation Bedeutung. Für Kork ist Marokko der drittwichtigste Lieferant am Weltmarkt.
 
 
Die Fischerei konzentriert sich sehr stark auf die Atlantikküste, wo kühle Auftriebswasser des Kanarenstroms mit seinem Planktonreichtum günstige Voraussetzungen bieten. Anfang 1981 dehnte Marokko seine Hoheitsgewässer auf 200 Seemeilen vor der Küste aus (bis in den Bereich der Kanarischen Inseln). Über die Hälfte der Fangmenge von (1994) 749 000 t sind Sardinen (448 000 t). Marokko ist weltweit zweitgrößter Exporteur von Sardinenkonserven.
 
 
Der Phosphatabbau hat nach wie vor eine große, wenn auch abnehmende Bedeutung. Mit einer Fördermenge von (1994) 18,4 Mio. t liegt Marokko hinter den USA und Russland weltweit an 3. Stelle. Über zwei Drittel der bekannten Weltreserven liegen in Marokko. Die Hälfte des Rohphosphats wird im Land selbst weiterverarbeitet. Die wichtigsten Abbauorte sind Khouribga und Youssoufia. Manganerz wird bei Imini gefördert, Kobalterz bei Ouarzazate, silberhaltiges Blei-Zink-Erz v. a. am Nordabhang des östlichen Hohen Atlas, Eisenerz bei Nador, Flussspat in El-Hammam bei Meknès, Steinkohle in Jerada, Erdöl in der Küstenebene Rharb, Erdgas und Erdöl bei Essaouira. Die Erschließung der Erdölschiefervorkommen im Mittleren Atlas und an der südlichen Atlantikküste ist geplant.
 
 
Grundlage der Energiegewinnung sind zu 80 % Erdöl und Erdgas, das überwiegend importiert werden muss, da Marokko keine nennenswerten Vorkommen besitzt; 17 % werden aus einheimischer Steinkohle gewonnen, nur 3 % aus Wasserkraft mittels mehrerer Wasserkraftwerke an Staudämmen. Die Anwendung der Solarenergie findet sich in Kleinanlagen v. a. in Dörfern des Hohen Atlas und südlich davon.
 
 
Im produzierenden Gewerbe (einschließlich Bergbau) werden (1994) 30 % des BIP erwirtschaftet. Regionaler Schwerpunkt ist das Küstengebiet zwischen Casablanca und Rabat. Neben der chemischen Industrie sind die Textil-, Leder- und Nahrungsmittelindustrie Branchen mit hohen Zuwachsraten, während das traditionelle Handwerk, z. B. die Teppichherstellung, rückläufig ist. Klein- und Mittelbetriebe sind vorherrschend; Großbetriebe sind die Chemiekomplexe von Safi und Jorf Lasfar (v. a. Phosphatverarbeitung), die Erdölraffinerien von Mohammedia und Sidi Kacem, die Zellstofffabrik von Sidi-Yahya-du-Rharb.
 
 
Marokko ist das beliebteste Reiseland Nordafrikas. Reiseziele sind u. a. antike Ruinenstätten aus phönikischer, punischer und römischer Zeit, die vier Königsstädte Rabat, Fès, Marrakesch und Meknès mit ihren architektonischen Sehenswürdigkeiten und dem orientalischen Flair, ausgedehnte Sandstrände, die Dünen der Sahara mit den Oasen im Süden und schneebedeckte Gebirge. Wintersportorte und Sommerfrischen der Marokkaner sind Ifrane im Mittleren und Oukaïmedene im Hohen Atlas. Die Mehrzahl der (1994) 2,3 Mio. ausländische Besucher kommt aus Frankreich, Deutschland und Spanien.
 
 
Die Handelsbilanz ist seit 1970 durchweg negativ (Einfuhrwert 1994: 7,8 Mrd. US-$, Ausfuhrwert: 4,3 Mrd. US-$). Ausgeführt werden v. a. Phosphorsäure und Rohphosphat, Düngemittel, Fischprodukte (Frischfisch und Konserven), Textilien und Zitrusfrüchte. Wichtigste Handelspartner sind Frankreich (23 %), Spanien, die USA und Deutschland Zum Ausgleich der Zahlungsbilanz tragen die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus (1994: 1,3 Mrd. US-$) sowie die Überweisungen marokkanischer Arbeitsmigranten (1994: 2,3 Mrd. US-$) bei. Die Auslandsverschuldung belief sich 1992 auf 21,5 Mrd. US-$. Seit den 70er-Jahren belastet auch der Westsahara-Konflikt die marokkanische Wirtschaft. Für den Schuldendienst müssen (1994) 33 % der Exporterlöse aufgewendet werden.
 
Verkehr:
 
Das Verkehrsnetz ist v. a. im Norden und Nordwesten gut entwickelt. Wichtigster Verkehrsträger für den Gütertransport ist nach dem Lkw-Verkehr die Eisenbahn (Streckenlänge 1991: 1 893 km). Die Eisenbahnlinie von Marrakesch über Casablanca nach Tanger (mit Freihafenzone) hat Anschluss nach Safi (Phosphatexporthafen) und nach Fès-Oujda (Bahnverbindung nach Algier und Tunis, zurzeit nicht in Funktion). Die Hälfte des (1994) 60 450 km langen Straßennetzes ist befestigt. Die Hauptstadt Rabat und Casablanca sind durch eine Autobahn verbunden, die bis Larache fertig gestellt ist und weiter nach Tanger führt (im Bau). Südlich des Hohen Atlas gibt es mehrere befestigte Hauptverbindungsstraßen, aber auch zahlreiche Pisten. Der Schiffsverkehr spielt eine wichtige Rolle. Die größten Seehäfen (Casablanca, Tanger, Agadir, Safi, Jorf Lasfar, Mohammedia) liegen am Atlantik. Casablanca ist mit einem Umschlag von (1994) 39,6 Mio. t zweitgrößter Handelshafen Afrikas (ohne Erdölhäfen). Wichtigster Mittelmeerhafen ist Nador unmittelbar südlich der spanischen Enklave Melilla. Mit Abstand wichtigster der neun internationalen Flughäfen ist Casablanca, während Agadir, Marrakesch und Tanger v. a. für den Tourismus von Bedeutung sind. Die nationale Luftverkehrsgesellschaft heißt Royal Air Maroc.
 
 
In dem von selbstständigen Berberstämmen bewohnten Land haben phönikische, später karthagische Einflüsse nur an wenigen Küstenplätzen Bedeutung gehabt (um 1100-146 v. Chr.). 42 n. Chr. wurde es mit Teilen des späteren Algerien zur römischen Provinz Mauretania Tingitana (Mauretania) zusammengefasst. Im 5. Jahrhundert kam es unter wandalische, im 6. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft. Um 700 drangen erstmals muslimische Araber in das Land ein, die von hier aus Züge nach Südwesteuropa unternahmen. Idris I., ein Nachkomme Mohammeds, gründete 789 im westlichen Nordafrika die Dynastie der Idrisiden (Hauptstadt Fès), die 974 den spanischen Omaijaden erlag. Unter den aus religiösen Bewegungen der Berber hervorgegangenen Dynastien der Almoraviden (1061-1147), die als neue Hauptstadt Marrakesch gründeten, und der Almohaden (1147-1269) wurde Marokko Kernland eines selbstständigen nordwestafrikanischen, auch den Süden der Iberischen Halbinsel umfassenden Reichs auf der Grundlage sunnitischer Orthodoxie. Den Almohaden folgten die berberischen Meriniden (1269-1420/65), die wieder Fès als Hauptstadt bevorzugten, den Wattasiden (1472-1554) die scherif. Dynastien der Sadier (1554-1603, in Seitenlinien bis 1626 und 1659), die durch die Sahara bis Timbuktu, Gao und Bornu vorstießen, und der Hasaniden (Alawiden, seit 1666). Mulai Ismail (1672-1727) schuf nach dem Vorbild der Türkei eine zentralistische Regierung (»Machsen«; Residenz Meknès). Seitdem unterschied das marokkanische Recht zwischen dem »Bled el-Machsen«, den unterworfenen, steuerlich erfassten Gebieten, und dem »Bled es-Siba«, dem größeren Teil des Landes mit den Berberstämmen, die nur lose Fühlungnahme zur Regierung des Sultans hatten oder diese faktisch nicht anerkannten.
 
Seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts versuchten die Portugiesen, in Marokko einzudringen (1415 Einnahme Ceutas), doch gingen ihre Besitzungen nach 1578 wieder verloren. Den Spaniern gelang es, 1496 zuerst in Melilla Fuß zu fassen. Die französische Aktivität in Marokko hatte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den Abschluss eines Handelsvertrages im Jahr 1892 beschränkt; ähnliche Verträge hatten zuvor Großbritannien (1856), Spanien (1861) und das Deutsche Reich (1890) abgeschlossen. Erst als im britischen-frzösischen Abkommen vom 8. 4. 1904 Frankreich von Großbritannien die Vormachtstellung in Marokko unter Verletzung der internationalen Abmachungen von Madrid (1880) eingeräumt wurde, begann Frankreich in das Land vorzudringen. Im November 1904 grenzten Frankreich und Spanien ihre Interessensphären ab. Der Einspruch des v. a. wirtschaftlich vertretenen Deutschen Reiches gegen das Vordringen des französischen Einflusses führte zur 1. Marokkokrise (1905; Marokkokrisen). Die 2. Marokkokrise (1911), ausgelöst durch die Entsendung des deutschen Kanonenboots »Panther« nach Agadir, führte letztlich zur Anerkennung der französischen Schutzherrschaft über Marokko durch das Deutsche Reich. In einem spanisch-französischen Vertrag (März/November 1912) wurden die Grenzen zwischen dem französischen (Hauptstadt Rabat) und dem spanischen (Hauptstadt Tétouan) Protektoratsgebiet abgesteckt; Tanger wurde internationales Gebiet. Unter Marschall L. H. G. Lyautey (Generalresident 1912-16 und 1917-25) und seinen Nachfolgern wurde das Landesinnere erschlossen.
 
1920 erhoben sich die Berberstämme des Rifgebirges (»Rifkabylen«) unter Abd el-Krim gegen die französische und spanische Kolonialherrschaft (Ausrufung einer »Republik der vereinigten Stämme des Rif«), unterlagen jedoch den von Marschall P. Pétain befehligten französischen und den von General M. Primo de Rivera geführten spanischen Streitkräften. Am 26. 5. 1926 kapitulierte Abd el-Krim vor den französischen Truppen. Die Kämpfe im Hohen Atlas dauerten bis 1933/34.
 
Vor dem Hintergrund einer starken Einwanderung europäischen Siedler (bis 1939 etwa 100 000) formierte sich unter den jungen Intellektuellen Marokkos eine moderne Nationalbewegung, die sich 1934 mit dem »Comité d'Action Marocaine« (»Marokkanisches Aktionskomitee«) erstmals organisierte. Frankreich suchte seine Herrschaft zunächst auf die traditionelle Feudalaristokratie des Landes zu stützen, scheiterte damit jedoch letztlich, da sich Sultan Mohammed V. (seit 1927) den Zielen der Nationalbewegung zuwandte. 1937 verbannten die französischen Kolonialbehörden Mohammed Allal al-Fassi (* 1919, ✝ 1974), den führenden Repräsentanten der antikolonialen Bewegung in Marokko, nach Gabun, 1938 wurden in der französischen Zone die aus dem Aktionskomitee hervorgegangenen Parteien verboten.
 
Die Niederlage Frankreichs (Juni 1940) im Zweiten Weltkrieg schwächte die französische Position in Nordafrika; Spanien nahm diese Entwicklung zum Anlass, 1940 die internationale Zone von Tanger zu besetzen (bis 1945). Nach der Landung amerikanisch-britischer Truppen in Marokko (November 1942) suchte Mohammed V. Anlehnung bei den USA (Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt, 1943). Im Zuge dieser Entwicklung erhielt die marokkanische Nationalbewegung starken Auftrieb. Der aus der Verbannung zurückgekehrte Allal al-Fassi gründete 1944 die »Istiklal-Partei«, die zum Motor des marokkanischen Widerstandes gegen die französische Kolonialherrschaft wurde. 1947 forderte Sultan Mohammed V. die Unabhängigkeit seines Landes. Frankreich suchte zunächst diese Bemühungen zu unterdrücken und deportierte 1953 den Sultan nach Madagaskar. Unterdessen sammelte sich im Gebirge eine »Befreiungsarmee«. Angesichts des im November 1954 in Algerien gegen die französische Herrschaft ausgebrochenen Aufstandes ließ Frankreich im Oktober 1955 Mohammed V. nach Marokko zurückkehren und entließ Französisch-Marokko am 2. 3. 1956 in die Unabhängigkeit. Nachdem auch Spanien auf sein Herrschaftsgebiet in Marokko verzichtet hatte (2. 4. 1956, wurde dieses mit dem früheren französischen Teil vereinigt. Im Oktober 1956 wurde auch Tanger wieder in das marokkanische Staatsgebiet eingegliedert; die Küstenstädte Ceuta und Melilla blieben spanisch. Am 14. 8. 1957 wurde das Königreich Marokko proklamiert. Die spanische Enklave Ifni fiel erst am 1. 1. 1969 an Marokko zurück.
 
Nach dem Tod Mohammeds V., der 1957 den Königstitel angenommen hatte, bestieg 1961 sein Sohn Hasan II. den Thron. Seit der staatlichen Unabhängigkeit wuchsen im Innern die Spannungen zwischen den konservativen Kräften am Königshof, in der Gebirgsbevölkerung und im wohlhabenden Bürgertum auf der einen Seite sowie der bürgerlichen Linken und den Gewerkschaften (»Union Marocaine du Travail«, Abkürzung UMT) auf der anderen Seite. Bereits 1958/59 hatte sich unter Führung von al-Mehdi Ben Barka die linksorientierte »Union Nationale des Forces Populaires« (UNFP, deutsch »Nationale Union der Volkskräfte«) von der Istiklal abgespalten. Die Istiklal selbst ging in den folgenden Jahren immer stärker auf kritische Distanz zu Hasan II. Gestützt auf ihm ergebene Kräfte (»Front pour la Défense des Institutions Constitutionnelles«, FDIC, deutsch »Front zur Verteidigung der Verfassungseinrichtungen«) verfolgte dieser (in den 60er-Jahren selbst mehrfach Ministerpräsident) einen autoritären Kurs. 1963 ließ er führende Politiker der UNFP verhaften und verurteilen. Nach Unruhen (März 1965) rief die Regierung im Juni 1965 den Ausnahmezustand aus und übernahm zugleich die gesetzgebende Gewalt; das 1963 gewählte Parlament wurde aufgelöst. Die Verfassungsreform von 1972 stärkte die Macht des Königs. Durch eine Bodenreform und die Verstaatlichung ausländischen Eigentums (1973/74) sollten die sozialen Spannungen abgebaut werden. 1971 scheiterte ein Putschversuch, 1972 ein Attentat auf den König.
 
In der Außenpolitik verfolgte Marokko (Mitglied der Arabischen Liga) seit dem Gewinn der Unabhängigkeit im Grundsatz eine Politik der Blockfreiheit. Es unterstützte die Entkolonialisierung Afrikas und beteiligte sich 1963 an der Gründung der Organization of African Unity (OAU). Im Nahostkonflikt vertrat Marokko eine gemäßigte Linie gegenüber Israel. Die engen wirtschaftlichen Bindungen an Frankreich konnten Spannungen im Verhältnis beider Staaten nicht verhindern, so im Oktober 1965 bei der Entführung Ben Barkas aus seinem Pariser Exil. 1969 wurde Marokko assoziiertes Mitglied der EG.
 
Mitte der 70er-Jahre leitete Hasan II. eine expansionistische Außenpolitik ein. Nachdem unter starker propagandistischer Förderung der Regierung Hunderttausende von Marokkanern mit einem »grünen Marsch« (6. 11. 1975 den marokkanischen Anspruch auf das von Spanien beherrschte Gebiet Westsahara bekundet hatten, verzichtete Spanien in einem Vertrag zugunsten von Marokko und Mauretanien (14. 11. 1975 auf dieses Gebiet; den Mauretanien zuerkannten Teil gewann Marokko 1979 zusätzlich. Mit dieser Politik geriet Marokko in Konflikt mit der Frente Polisario, die, gestützt v. a. von Algerien, im Gebiet von Westsahara die unabhängige »République Arabe Saharaouie Démocratique« (»Demokratische Arabische Republik Sahara«, DARS) ausrief. Es kam zu einem lang dauernden militärischen Konflikt, der v. a. die marokkanischen Beziehungen zu Algerien und Libyen belastete. 1984 trat Marokko aus der OAU aus, da diese die DARS als eigenständiges Mitglied anerkannt hatte. Sosehr die Westsaharafrage die Außenpolitik Marokkos belastete, so stark gewann Hasan II. mit dieser Politik einen Anhang im Innern, besonders unter jenen Nationalisten, die den einst von Allal al-Fassi verfochtenen Ideen eines Groß-Marokko (einschließlich Mauretanien, Teilen von Algerien und Mali) anhängen. Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen marokkanischen Truppen und der Frente Polisario konnten schließlich am 6. 9. 1991 unter UN-Vermittlung durch einen Waffenstillstand beendet werden. Nach einem bereits seit April 1991 bestehenden UN-Friedensplan für die Westsahara einigten sich im September 1997 Marokko und Frente Polisario unter amerikanischer Vermittlung auf die Durchführung eines von den Vereinten Nationen beaufsichtigten Referendums zur Unabhängigkeit der Westsahara. Der Abstimmungstermin (ursprünglich vorgesehen 7. 12. 1998) wurde jedoch wegen der umstrittenen Wählerregistrierung mehrmals verschoben.
 
Innenpolitische Gegensätze (u. a. blutige Niederwerfung des Generalstreiks 1981) verschärften sich besonders seit 1990 und führten zu einer Verweigerungshaltung der oppositionellen Parteien. Die durch die Verfassungsrevision 1996 signalisierte Demokratiebereitschaft der Regierung bewog die Opposition zur Bildung eines Wahlbündnisses und Teilnahme an den Kommunal- und Parlamentswahlen 1997, zu denen erstmals auch gemäßigt islamistische Parteien zugelassen waren. Das Wählerbündnis »Koutla« setzte sich sowohl in den Kommunal- als auch in den Parlamentswahlen vor dem Regierungsbündnis »Wifak« durch. Ministerpräsident wurde im März 1998 Abderrahman Youssoufi (USFP). Die Bildung des Zweikammersystems ist seit der Konstituierung des Oberhauses im Dezember 1997 abgeschlossen. Nach dem Tod von Hasan II. (23. 7. 1999) wurde sein ältester Sohn als Mohammed VI. gekrönt, der die seit Mitte der 90er-Jahre eingeleiteten wirtschaftlichen und demokratischen Reformen sowie den Wechsel zu einer modernen Monarchie intensivieren will.
 
1987 trat Marokko dem GATT bei und beteiligte sich 1988 an der Gründung der Maghreb-Union. Angesichts des 1993 einsetzenden Verständigungsprozesses im Nahostkonflikt richtete Marokko 1994 ein Verbindungsbüro zu Israel ein. Mit den anderen Staaten des Maghreb beschloss es im selben Jahr die Einrichtung einer Freihandelszone in diesem Raum. Im Februar 1996 schloss Marokko ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union.
 
 
J. Carcopino: Le Maroc antique (Paris 131948);
 H. Terrasse: L'histoire du Maroc des origines à l'établissement du protectorat français, 2 Bde. (Casablanca 1949-50, Nachdr. New York 1975);
 
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 D. S. Woolman: Rebels in the Rif. Abd el Krim and the Rif Rebellion (Stanford, Calif., 1968);
 A. Laroui: Les origines sociales et culturelles du nationalisme marocain, 1830-1912 (Paris 1977);
 A. Paccard: Le Maroc et l'artisanat traditionnel islamique dans l'architecture, 2 Bde. (Paris 41983);
 H. Popp: Moderne Bewässerungslandwirtschaft in M., 2 Bde. (1983);
 A. M. Findlay u. a.: Morocco (Oxford 1984);
 A. Escher: Studien zum traditionellen Handwerk der oriental. Stadt (1986);
 M. Fougerouse: Le Maroc. Vocations et réalités (Paris 1987);
 
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 J.-L. Miège: Le Maroc et l'Europe. 1830-1894, 4 Bde. (Neuausg. Rabat 1989);
 J.-L. Miège: Le Maroc (Paris 81994);
 K. Müller-Hohenstein u. H. Popp: M. Ein islam. Entwicklungsland mit kolonialer Vergangenheit (1990);
 R. Widmer-Münch: Der Tourismus in Fès u. Marrakech. Strukturen u. Prozesse in bipolaren Urbanräumen des islam. Orients (Basel 1990);
 
Reisen in den Mittelmeerraum. Eine Vortragsreihe im Wintersemester 1990/91, hg. v. H. H. Wetzel (1991);
 H. Munson: Religion and power in Morocco (New Haven, Conn., 1993);
 M. Aït Hamza: Auswirkungen der Arbeitsmigration auf die Oasen in Süd-M., in: Geograph. Rundschau, Jg. 49 (1997).
 

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Ma|rọk|ko; -s: Staat in Nordwestafrika.

Universal-Lexikon. 2012.

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